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ZEW Konjunkturerwartungen verstehen — Expertenprognosen für Deutschland

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung befragt jeden Monat Finanzexperten. Wir zeigen dir, wie diese Daten entstehen und warum sie wichtig sind.

10 min Lesedauer Anfänger April 2026
Schreibtisch mit Wirtschaftspapieren, Statistiken und Notizen zum Thema ZEW Konjunkturerwartungen
Dr. Marcus Kellner, Chefanalyst für Konjunkturforschung

Geschrieben von

Dr. Marcus Kellner

Chefanalyst für Konjunkturforschung

Was sind die ZEW Konjunkturerwartungen?

Die ZEW-Indizes sind mehr als nur Zahlen. Sie geben dir einen Blick in die Köpfe von über 300 Finanzexperten, die jeden Monat befragt werden. Es’s eine Kombination aus harten Daten und echten Erwartungen von Leuten, die beruflich mit der Wirtschaft leben.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung sitzt in Mannheim und führt diese Befragung seit 1991 durch. Klingt wie ein akademisches Projekt — und das ist es auch. Aber die Märkte hören genau hin, wenn die Zahlen veröffentlicht werden.

Finanzanalyst bei der Analyse von Konjunkturdaten und Prognosen am Schreibtisch
Statistisches Diagramm zeigt ZEW-Index Verlauf mit steigenden und fallenden Balken

Die beiden Indizes verstehen

Es gibt nicht einen ZEW-Index — es gibt zwei. Das ist wichtig zu wissen, weil sie unterschiedliche Dinge aussagen.

Der Konjunkturerwartungsindex

Dieser Index fragt: Wie wird’s in den nächsten 6 Monaten aussehen? Die Experten bewerten, ob die Konjunktur besser oder schlechter wird. Ein Wert über Null bedeutet mehr Optimisten als Pessimisten. Ein Wert unter Null? Dann überwiegt die Sorge.

Der Lageindex

Der zweite Index ist anders. Er schaut auf die gegenwärtige Lage — wie ist’s jetzt gerade? Das ist weniger Prognose, mehr Diagnose. Wenn dieser Index fällt, bedeutet das oft, dass die Experten bereits schwache Zeichen sehen.

Zusammen ergeben diese beiden Indizes ein komplettes Bild. Der Erwartungsindex zeigt Hoffnung oder Angst. Der Lageindex zeigt, ob die Hoffnung oder Angst gerechtfertigt ist.

Hinweis

Dieser Artikel ist rein informativ und erklärt, wie wirtschaftliche Indikatoren funktionieren. Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind Umfrageergebnisse von Finanzexperten — keine garantierten Prognosen. Wirtschaftliche Entwicklungen hängen von vielen Faktoren ab und sind schwer vorherzusagen. Bei Investitionsentscheidungen solltest du immer professionelle Beratung einholen.

Wie wird der Index berechnet?

Die Berechnung ist einfacher als man denkt. Das ZEW befragt etwa 350 Finanzexperten und institutionelle Investoren. Jeder wird gefragt: Wie wird’s in den nächsten 6 Monaten? Die Antworten sind begrenzt: besser, gleich, oder schlechter.

Dann kommt die Mathematik. Man nimmt den Prozentsatz der “besser”-Antworten und zieht den Prozentsatz der “schlechter”-Antworten ab. Das Ergebnis ist eine Zahl zwischen -100 und +100. Fertig.

1

Befragung durchführen

350 Experten werden monatlich gefragt, wie sich die Wirtschaft entwickeln wird.

2

Antworten sammeln

Drei Optionen: besser, gleich, oder schlechter. Nichts dazwischen.

3

Index berechnen

% Besseres minus % Schlechteres = der Index-Wert.

Gruppe von Wirtschaftsexperten in Konferenzraum diskutiert Konjunkturprognosen
Monitor zeigt Echtzeit-Börsennotierungen und wirtschaftliche Datenströme

Warum reagieren die Märkte darauf?

Wenn die ZEW-Zahlen veröffentlicht werden, passiert etwas am Markt. Manchmal bewegen sich Indizes deutlich. Das ist kein Zufall. Die Märkte wollen wissen, was die intelligentesten Köpfe der Finanzwelt denken.

Ein überraschend hoher Index kann Käufer anlocken. Ein Absturz kann zu Verkäufen führen. Warum? Weil diese Experten Zugang zu Daten haben, die nicht sofort öffentlich sind. Sie sehen Muster früher als der Durchschnitt. Wenn sie plötzlich pessimistisch werden, fragen sich Trader: Was wissen die, was ich nicht weiß?

Das ist nicht immer rational — manchmal ist’s reine Psychologie. Aber das ist der Markt. Erwartungen treiben Preise, nicht nur die Realität.

Was du von den ZEW-Zahlen lernen kannst

Die ZEW-Konjunkturerwartungen sind nicht das Alpha und Omega — aber sie geben dir wertvollen Kontext.

Frühindikatoren erkennen

Der Index dreht oft, bevor die wirtschaftliche Realität sich ändert. Wenn Experten pessimistisch werden, folgt oft eine Konjunkturschwäche. Das gibt dir einen Vorsprung.

Marktsentiment verstehen

Die ZEW zeigt nicht objektive Wahrheit — sie zeigt, was Experten gerade denken. Das ist wichtig, denn der Markt bewegt sich basierend auf Sentiment.

Kontext für Entscheidungen

Ob du investierst, dein Unternehmen planst oder einfach die Wirtschaft verstehen willst — die ZEW-Zahlen geben dir wichtigen Kontext. Sie’re nicht allein entscheidend, aber sehr wertvoll.

Risiken bewerten

Ein stark sinkender Index signalisiert wirtschaftliche Unsicherheit. Das hilft dir, Risiken besser einzuschätzen und deine Strategie anzupassen.

Das Wichtigste zum Mitnehmen

Die ZEW Konjunkturerwartungen sind monatliche Umfragen von über 350 Finanzexperten über die wirtschaftliche Entwicklung. Es gibt zwei Indizes: einen für die Erwartungen der nächsten 6 Monate und einen für die gegenwärtige Lage. Die Berechnung ist simpel — aber die Aussagekraft ist enorm.

Märkte reagieren auf diese Zahlen, weil sie frühe Signale liefern. Wenn Experten plötzlich pessimistisch werden, stimmt oft etwas nicht. Die ZEW sind kein Kristallkugel — aber sie geben dir einen Blick in die Köpfe von Leuten, die für ihren Beruf wirtschaftliche Trends analysieren.

Nutze die ZEW-Zahlen nicht isoliert. Kombiniere sie mit anderen Indikatoren wie dem ifo Geschäftsklimaindex oder Auftragseingängen. Zusammen ergeben sie ein viel besseres Bild der wirtschaftlichen Realität. Und das ist das Ziel — die deutsche Wirtschaft wirklich zu verstehen.